Wesel - Brücken-Abschied in 44 Runden - WDR vom 24.10.2010

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Ungewöhnlicher Marathonlauf in Wesel

Brücken-Abschied in 44 Runden

Von Robert Franz

35 Marathonläufer sind am Sonntag (24.10.10) die letzten Nutzer der alten Rheinbrücke in Wesel gewesen. In 44 Runden legten sie die Distanz von rund 42 Kilometern beim Lost-Places-Marathon zurück.

Die Zeichen an der früheren Bundesstraße stehen auf Abriss. "Marathon" ist mit gelber Farbe auf den Asphalt gesprüht, denn der Weg zur ungewöhnlichen Laufstrecke ist schwer zu finden. Zwischen abgeschraubten Leitplanken und Pollern schlängelt sich der Weg zur alten Rheinbrücke in Wesel. "Genau der richtige Ort für unseren Lost-Places-Marathon", erklärt Organisator Christian Hottas. Der Arzt aus Hamburg hatte im Internet gelesen, dass die Brücke in wenigen Wochen abgerissen wird. Seit Anfang des Jahres sucht er verlorene Orte, um dort zur ersten und letzten Mal mit Lauffreunden zu starten. Vor knapp zwei Monaten bekam er die Zusage des Landesbetriebs Straßen-NRW. Wenig Zeit bleibt Hottas deshalb, den Marathon vorzubereiten.

Unterschiedliche Lauf-Motive

1953 war die ungewöhnliche Laufstrecke als provisorische Querung über den Rhein gebaut worden. Viel länger als geplant wurde sie bis 2009 genutzt. Seitdem rollt der Verkehr über die parallel gebaute neue Brücke. 35 Läufer sind am Sonntagmorgen (24.10.10) auf das betagte Bauwerk gekommen, um es ein letztes Mal zu nutzen. Ihre Motive sind dabei sehr verschieden. Peter Wienecke sammelt Langstreckenläufe. Der in Wesel wird sein 836. sein. "Es ist etwas besonders", sagt der 64-Jährige vor dem Start. "Auf jeder Strecke gibt es Neues zu entdecken."

Früher den Schiffen nachgesehen

Aus dem nahe gelegenen Bocholt ist Andreas Stockhausen in seine alte Heimat gekommen. "Die Brücke kenne ich seit meiner Kindheit. Da haben wir hier den Schiffen auf dem Rhein zugeschaut", erinnert sich der 41-Jährige. Für ihn ist es der erste Marathonlauf in diesem Jahr. Seit längerer Zeit ist er erstmals wieder hier und überrascht von den Dimensionen der beiden Bauwerke. "Die Behelfsbrücke wirkt im Vergleich zur Neuen doch sehr klein." Dabei habe sie auf ihn als Kind gigantisch gewirkt. Dass sie für ihn als Läufer zu einem unüberwindlichen Hindernis wird, glaubt Stockhausen nicht. In jede Richtung muss er mit seinen Mitläufern knapp 500 Meter zurücklegen - in Laufrichtung rechts. Pünktlich gibt Organisator Hottas das Startsignal für die 44 Runden.

Wehmut auf der Brücke

Angefeuert werden die Läufer von wenigen Schaulustigen. Meist sind es Freunde und Verwandte, die sich in den kalten Wind stellen, der über die Brücke weht. Begeistert applaudiert auch Helmut Bourry vom Gehweg den schwitzenden Läufern zu. Doch bei dem 80-Jährigen schwingt Wehmut mit, denn bei diesem Lauf in seiner Heimatstadt wäre auch er gerne gestartet. "Das Herz macht nicht mehr mit", erklärt Bourry. Vor zwei Jahren lief er seinen 100. und letzten Marathon. Nun fühlt er mit den Sportfreunden mit: "Hinten, auf der Brücke, ist der Wind sehr unangenehm." Ungezählte Male ist er in seinem Leben hier über den Rhein gefahren. "Das war viele Jahre zwischen Duisburg und Emmerich die einzige Möglichkeit, an den linken Niederrhein zu kommen."

"Nach uns die Schneidbrenner"

Nach drei Stunden, drei Minuten und sieben Sekunden hat der erste Läufer die 44. Runde auf der Rheinbrücke vollendet: Werner Kamps aus Hamminkeln. "Die vielen Wenden drücken auf das Tempo", erklärt Christian Hottas die für einen Marathon mäßige Zeit. Erst am späteren Sonntagnachmittag laufen die Letzten durchs Tiel. Danach werden die letzten Nutzer die Brücke verlassen. "Nach uns kommen dann die Schneidbrenner", sagt der Arzt. Seine Hinweise zur Stahlbrücke werden dann nur noch den Abbrucharbeitern den Weg weisen.

Helmut Bourry über die Montgomery-Brücke:

http://www.wdr.de/themen/sport/marathon/wesel_brueckenmarathon/index.jhtml?dslSrc=http%3a%2f%2fondemand.wdr.de%2fir_flash%2f2010%2fsport%2fo_ton_bourry_2._480000mp3.mp3

3.12.10 16:00

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